
Interview mit Theresa Prietz, Alpine Eagle GmbH
New Defence: Arbeiten in einem hoch dynamischen Umfeld
In der Ukraine hat sich gezeigt, dass sich die Verteidigung und Kriegsführung massiv verändert. Drohnen und autonome Systeme spielen eine wichtige Rolle. Als Reaktion darauf setzte nach 2022 ein „Boom“ an Neugründungen im Verteidigungssektor ein. Eines dieser Start-ups ist Alpine Eagle. Das Münchner Unternehmen wurde 2023 gegründet und hat das luftgestützte Drohnenabwehrsystem Sentinel entwickelt. Alpine Eagle beschäftigt rund 50 hoch spezialisierte Fachkräfte in den Bereichen Luftfahrt, Robotik und autonome Systeme. Spezialisten, die auch in anderen Branchen gefragt sind. Theresa Prietz, Head of People & Talent Acquisition spricht von den Besonderheiten im Job, worauf sie bei Bewerbenden besonders achtet und was sie Fachkräften mit Interesse an einem Einstieg in den Verteidigungssektor rät.
„Wer Lust auf anspruchsvolle Technologie, ein dynamisches Umfeld und eine klare Mission hat, kann hier sehr viel bewegen.“
DEKRA: Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie aktuell und wie viele planen Sie, 2026 einzustellen?
Prietz: Im Juni erhöht sich die Anzahl unserer Mitarbeitenden auf 53. Wir planen, bis Ende 2026 auf mehr als 80 Beschäftigte zu wachsen.
DEKRA: Für welche Unternehmensbereiche suchen Sie neues Personal?
Prietz: Das Herzstück unseres Unternehmens ist unsere Systemlösung und damit vor allem die Menschen, die es entwickeln, testen und voranbringen. Entsprechend liegt ein besonderer Fokus auf Ingenieur:innen und technischen Mitarbeitenden in der Entwicklung und Erprobung. Gleichzeitig wachsen auch alle anderen Funktionen rundherum mit: Finance, HR, Sales/Business Development, Kommunikation und weitere Bereiche bilden das Fundament der Organisation und skalierbare Prozesse, die unser Wachstum langfristig tragen.
DEKRA: Welche Fachrichtungen und Ausbildungen suchen Sie am häufigsten?
Prietz: Das variiert stark je nach Position. Besonders gefragt sind Profile mit akademischer oder praktischer Erfahrung in den Bereichen unbemannte Luftfahrt, Robotik und autonome Systeme. Auch ein Hintergrund im Verteidigungsbereich bringt wertvollen Input.
Gleichzeitig ist das nicht für alle Rollen Voraussetzung: Wir haben immer wieder offene Positionen, in denen auch Quereinsteiger:innen mit anderen Abschlüssen und Erfahrungen sehr gut passen können.
DEKRA: Auf welche Eigenschaften legen Sie bei Bewerbenden den größten Wert?
Prietz: Uns ist wichtig, dass Menschen Lust haben, Dinge voranzubringen und umzusetzen. In einem Defence Tech-Start-up braucht es ein hohes Maß an Eigeninitiative und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Auch oder vor allem, wenn noch nicht alles bis ins Detail vorgegeben ist.
Genauso wichtig sind Neugier, Teamgeist und die Fähigkeit, schnell zu lernen. Wir suchen Menschen, die fachlich stark sind, aber auch gut damit umgehen können, dass sich Prioritäten in einem dynamischen Umfeld schnell verändern.
DEKRA: Finden Sie ausreichend Fachkräfte mit den von Ihnen benötigten Profilen?
Prietz: Die Profile, die wir suchen, sind am Markt sehr gefragt, insbesondere an der Schnittstelle von Hardware, Software, Robotik, Luftfahrt und autonomen Systemen. Recruiting ist für uns daher kein Selbstläufer und wir widmen uns der Einstellung neuer Mitarbeiter mit einem Fokus auf Qualität. Gleichzeitig merken wir, dass viele Kandidat:innen gezielt nach technologisch anspruchsvollen Aufgaben suchen und sich mit unserer Mission identifizieren wollen. Genau da können wir punkten.
DEKRA: Können Sie Fachkräfte aus anderen Branchen direkt einsetzen?
Prietz: Für viele Fachbereiche können wir branchenfremde Erfahrung sehr gut und direkt einsetzen. Entscheidend sind vor allem die relevanten Fähigkeiten, Lernbereitschaft und der Wille, sich schnell in ein dynamisches Umfeld einzuarbeiten.
DEKRA: Wie vermitteln Sie fehlendes Wissen und Kompetenzen?
Prietz: Bei der Einstellung achten wir natürlich auf die bestmögliche fachliche und persönliche Passung für die jeweilige Rolle. Danach begleiten wir die Entwicklung sehr strukturiert: In Probezeit- und Jahresgesprächen gleichen wir die Anforderungen der Position mit den vorhandenen Kompetenzen ab.
Wenn sich dabei Entwicklungsfelder oder neue Bedarfe zeigen, erarbeiten wir gemeinsam einen individuellen Entwicklungsplan, zum Beispiel durch gezielte Trainings, Mentoring oder Learning-on-the-Job.
DEKRA: Welche Bedeutung hat Qualifizierung bei Alpine Eagle generell?
Prietz: Qualifizierung hat für uns eine hohe Bedeutung, weil wir in einem technologisch anspruchsvollen und schnell wachsenden Umfeld arbeiten. Wir geben Mitarbeitenden viel Raum, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen, wenn sie das möchten. Das geschieht im Arbeitsalltag durch anspruchsvolle Projekte, gezielte Verantwortlichkeiten, Training-on-the-Job, Mentoring und gezielte Entwicklungsmaßnahmen. Wichtig ist uns eine Kultur, in der Lernen, Wissensteilung und Weiterentwicklung selbstverständlich sind.
„Die tägliche Arbeit unterscheidet sich fachlich oft weniger stark, als viele denken: Gute Produktentwicklung, saubere Prozesse, Teamarbeit und technologische Exzellenz sind hier genauso entscheidend wie in anderen innovativen Branchen.“
DEKRA: Unterscheidet sich die Tätigkeit im Verteidigungsbereich stark von anderen Branchen?
Prietz: Ja, in einigen Punkten schon. Der Verteidigungsbereich ist stärker reguliert und bringt eine besondere Verantwortung mit sich, sowohl in Bezug auf Sicherheit, Compliance als auch auf den Zweck der Technologie und die Problemstellungen des Anwenders, mit der man konfrontiert wird. Gleichzeitig unterscheidet sich die tägliche Arbeit fachlich oft weniger stark, als viele denken: Gute Produktentwicklung, saubere Prozesse, Teamarbeit und technologische Exzellenz sind hier genauso entscheidend wie in anderen innovativen Branchen.
DEKRA: Gibt es bei branchenfremden Mitarbeitenden Anpassungsschwierigkeiten?
Prietz: Grundsätzlich erleben wir das nicht als große Hürde. Natürlich gibt es Themen, in die man sich einarbeiten muss, wie etwa regulatorische Anforderungen, Sicherheitsprozesse oder branchenspezifische Abläufe. Dabei lassen wir neue Kolleg:innen aber nicht allein: Wir haben ein strukturiertes Onboarding und erfahrene Mitarbeitende aus dem Verteidigungsbereich, die ihr Wissen teilen und beim Einstieg unterstützen.
DEKRA: Was raten Sie Spezialisten, die sich für eine Karriere in Ihrer Branche interessieren?
Prietz: Nicht abschrecken lassen, wenn der eigene Lebenslauf nicht klassisch nach Defence Tech aussieht. Viele Fähigkeiten aus anderen Branchen sind sehr gut übertragbar. Wichtig ist vor allem, sich bewusst mit der Branche und der Verantwortung dahinter auseinanderzusetzen. Wer Lust auf anspruchsvolle Technologie, ein dynamisches Umfeld und eine klare Mission hat, kann hier sehr viel bewegen.
DEKRA: Welches sind die größten Herausforderungen im Recruiting für den Verteidigungssektor?
Prietz: Eine der größten Herausforderungen ist, Teams mit möglichst vielfältigem Wissen und unterschiedlichen Perspektiven aufzubauen. Im Verteidigungssektor braucht es Expertise aus vielen Bereichen: technisches Know-how, Erfahrung in Entwicklung und Erprobung, Verständnis für Government-Strukturen und idealerweise auch die Perspektive der Anwender:innen.
Gleichzeitig sind auch Erfahrungen aus anderen Umfeldern wertvoll, etwa aus Konzernen mit starken Prozessen oder aus sehr dynamischen Innovationsbereichen. Unser Ziel ist es, diese unterschiedlichen Hintergründe zusammenzubringen, die besten Ideen zu kombinieren und eine Kultur zu schaffen, in der Wissen aktiv geteilt und weitergegeben wird.
DEKRA: Was wünschen Sie sich mit Blick auf den Arbeitsmarkt von der Politik?
Prietz: Für den deutschen Arbeitsmarkt wünsche ich mir mehr Offenheit und Durchlässigkeit zwischen Industrie, Forschung, Start-ups, Investoren und öffentlichen Institutionen. Gerade in Zukunftsbranchen und DeepTech-Feldern entstehen Innovationen dort, wo unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammenkommen. Dafür braucht es mehr Räume und Formate, die Austausch und Zusammenarbeit fördern, statt in Silos zu denken. Kooperation und Wettbewerb sollten sich dabei nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken.
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