Porträtfoto von Dr. Vera Saal

Interview mit Dr. Vera Saal, Rheinmetall AG

Mission Wachstum

Interview

Die Nachfrage nach Produkten der Verteidigungsindustrie ist stark gestiegen und viele Unternehmen bauen ihre Produktionskapazitäten aus. Hierfür benötigen sie sehr viele neue und hochspezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rheinmetall ist Deutschlands größter Produzent von Produkten und Systemen im Defence-Bereich. Das börsennotierte Unternehmen verbreitert seine Produktpalette und hat ein ambitioniertes Ziel: Die Zahl der Mitarbeitenden soll sich bis 2030 etwa verdoppeln. Dr. Vera Saal erzählt, welche Fachkräfte das Unternehmen sucht, wie es die vielen neuen Beschäftigten integriert und sie fit für das anspruchsvolle Arbeitsumfeld macht.   

„In einigen Bereichen sind erfahrene Fachkräfte in der Regel nach kürzerer Einarbeitungszeit in unserem Unternehmen einsetzbar. In anderen Bereichen jedoch bedarf es einer längeren Zeit der individuellen Qualifizierung, um die speziellen Anforderungen in der Verteidigungsindustrie erfüllen zu können.“
Dr. Vera SaalCHRO und Arbeitsdirektorin, Rheinmetall AG

DEKRA: Wie viele neue Mitarbeitende suchen Sie aktuell?

Saal: Derzeit suchen wir 2.086 neue Kolleginnen und Kollegen alleine in Deutschland. Weltweit beschäftigen wir aktuell rund 34.000 Menschen. Diese Zahl soll bis zum Jahr 2030 etwa auf das Doppelte anwachsen.

DEKRA: Für welche Bereiche benötigen Sie neues Personal?

Saal: Aktuell besteht Personalbedarf in allen Divisionen. Wir suchen derzeit z. B. in Weeze für die Produktion modernster Luftfahrtkomponenten rund 70 neue Kolleginnen und Kollegen.

DEKRA: Welche Fachrichtungen und Ausbildungen suchen Sie am häufigsten?

Saal: Den stärksten Stellenzuwachs gibt es zurzeit im Produktions-Bereich sowie im Engineering- und IT-/Software-Sektor. Wir suchen vor allem Profile mit einem technischen Hintergrund, d. h. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umfeld der Produktentwicklung und Produktion. Hier insbesondere im Ingenieurbereich die Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau und im Facharbeiterbereich z. B. Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Zerspanungsmechaniker, Schweißtechniker, Lackierer, Mechaniker, Flugzeugmechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, Kfz-Elektriker, Metallarbeiter, Chemietechniker. Außerdem haben wir Stellen ausgeschrieben für IT-Experten, Softwareentwickler, Verfahrenstechniker, Projektmanager, Einkäufer, Logistiker und Controller.

DEKRA: Auf welche persönlichen Eigenschaften legen Sie den größten Wert?

Saal: Bei Rheinmetall legen wir viel Wert auf Lösungsorientierung, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen in einer Welt, die sich dramatisch verändert.

Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von Respekt, Vertrauen und Offenheit – Werte, die unsere Unternehmenskultur stärken und unseren Erfolg sichern. Wir suchen Menschen, mit denen wir eine Kultur schaffen können, in der Fairness, Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten selbstverständlich sind, um mit unseren Technologien, unseren Produkten und Systemen die unverzichtbare Grundlage für Frieden, Freiheit und Sicherheit schaffen zu können.

DEKRA: Können Sie branchenfremde Fachkräfte direkt einsetzen?

Saal: Dies hängt sehr stark von den Stellenanforderungen und den individuellen Bewerberprofilen ab. Für viele Stellen ist keine spezielle Branchenerfahrung erforderlich. In einigen Bereichen sind erfahrene Fachkräfte in der Regel nach kürzerer Einarbeitungszeit in unserem Unternehmen einsetzbar. In anderen Bereichen jedoch bedarf es einer längeren Zeit der individuellen Qualifizierung, um die speziellen Anforderungen in der Verteidigungsindustrie erfüllen zu können. Zum Beispiel benötigen wir für unser neues Werk in Weeze neue Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Luftfahrttechnik. Zunehmend gewinnt auch die fachliche Digital-Expertise an Bedeutung, wie Fähigkeiten im Umgang mit KI.

„Speziell in der Verteidigungsindustrie gilt es, zum Teil sehr spezialisierte und komplexe Stellenprofile zu besetzen. Zudem ist es eine Herausforderung, bei der veränderten Situation auf dem Arbeitsmarkt der Menge an Bewerberinnen und Bewerber gerecht zu werden.“
Dr. Vera SaalCHRO und Arbeitsdirektorin, Rheinmetall AG

DEKRA: Wie vermitteln Sie fehlendes Wissen und Kompetenzen? 

Saal: Rheinmetall unterstützt zielgerichtet bei der individuellen Laufbahn in einer Fach-, Führungs- oder Projektmanagementaufgabe. So gibt es ein Meisterprogramm, aber auch Maßnahmen zur Entwicklung von Operational- oder Methoden- bis hin zur Führungskompetenz.
Die vielfältigen Weiterbildungs-Angebote der Rheinmetall Academy unterstützen dabei, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und zu fordern, um ihre persönliche und berufliche Entwicklung zu begleiten. Zusätzlich gibt es bei Bedarf an den einzelnen Standorten spezielle Angebote in Form von Programmen oder einzelnen Qualifizierungsmaßnahmen, um branchenfremde Fachkräfte einzuarbeiten. Ein Beispiel hierfür ist die Umwandlung unserer ehemaligen Automotive-Werke in Berlin und am Niederrhein.

Weltweit bieten wir allen Mitarbeitern auch eine große Auswahl an E-Learnings zu vielen Themen an, die rund um die Uhr in 20 Sprachen und auf allen Endgeräten verfügbar sind. Individuelle Maßnahmen der Persönlichkeitsentwicklung wie Mentoring und Coaching sind je nach Bedarf unseren Mitarbeitern zugänglich.

DEKRA: Rheinmetall hat zuletzt Teilen der Belegschaft anderer Unternehmen ein Übernahmeangebot gemacht. Wie wurde das aufgenommen? 

Saal: Als Beispiel kann hier die Umwandlung unserer ehemaligen Automotive-Werke in Berlin und in Teilen am Niederrhein zu Defence-Produktionsstandorten dienen. Die Umwandlung war ein gemeinsamer Erfolg von Unternehmen, Betriebsräten und der IG Metall. Die Umwidmung wird begleitet durch eine umfangreiche Qualifizierungsoffensive, die passgenau konzipiert und aktuell erfolgreich umgesetzt wird. Unsere Angebote wurden überwiegend sehr positiv aufgenommen.

Rheinmetall bietet neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein professionelles Onboarding, um den persönlichen Einstieg zu begleiten und eine gute Kommunikation und eine schnelle Integration zu sichern. Neue Fachkräfte bringen neue Erfahrungswerte und neue Sichtweisen mit, was wir sehr schätzen. Diese mit unserer bestehenden Unternehmenskultur zu verbinden und daraus Mehrwert zu schaffen, ist uns bisher sehr gut gelungen.

DEKRA: Welches sind die größten Recruiting-Herausforderungen in der Verteidigungsindustrie?

Saal: Speziell in der Verteidigungsindustrie gilt es, zum Teil sehr spezialisierte und komplexe Stellenprofile zu besetzen. Zudem ist es eine Herausforderung, bei der veränderten Situation auf dem Arbeitsmarkt der Menge an Bewerberinnen und Bewerber gerecht zu werden.

DEKRA: Gibt es etwas, das Sie sich mit Blick auf den Arbeitsmarkt von der Politik wünschen?

Saal: Die Themen Entbürokratisierung und Investitionen vor allem in die digitale Infrastruktur stehen auch für uns im Vordergrund.

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